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Geschichte des Eierlesens in Bottmingen

Verschiedene Bräuche begrüssen die Ankunft des Frühlings, das neuerliche Erwachen und Gedeihen allen Lebens. Häufig spielt dabei um die Osterzeit das Ei als Symbol für die keimende Fruchtbarkeit eine wichtige Rolle. Das interessanteste Eierspiel, der Eierlauf, Eierleset oder cours aux oeufs ist vor allem im Kanton Aargau und Baselland bekannt und breitet sich von da Aare aufwärts über grosse Teile der westlichen Schweiz hinaus bis in den Kanton Neuenburg, die Waadt, nach Nordfreiburg und ins Berner Oberland hinein aus. Über Alter und Bedeutung des Brauches ist schon viel gemutmast worden. Grundsätzlich handelt es sich bei diesem Spiel um einen Wettlauf zwischen verschiedenen Parteien, in dessen Mittelpunkt das Ei steht. Die Spielregeln sind jedoch von Ort zu Ort sehr verschieden und meist mit alter Tradition verbunden.

Dass der Turnverein als Organisator des Bottminger Eierlesen auftritt wurde erst 1927 im Protokollbuch vermerkt. Aus mündlicher Ueberlieferungen übernahm der Turnverein aber schon als junger Verein dieses Brauchtum. Das Eierlesen wurde immer in unregelmässigen Abständen durchgeführt und seit 1954 gilt ein zweijahres Rhythmus. In den Kriegsjahren 1940-1945 musste ganz auf diesen Wettlauf verzichtet werden. 1975 fand das letzte Eierlesen auf der Bruderholzstrasse, die nach der Fertigstellung der Verbindungsstrasse nach Münchenstein für solche traditionellen Anlässe nicht mehr benutzt werden durfte. Das Eierlesen findet nun auf der Burggartenstrasse seine Durchführung. Wie an den meisten Orten ist der Weisse Sonntag Austragungstag.

Früher wurden die benötigten Eier bei der Bevölkerung gesammelt. Wo keine Hühner zur Familie gehörten wurden auch Geldspenden entgegengenommen. Am Samstag vor dem Wettkampf trafen sich dann einige Turner im Gasthof zur 'Sonne' zum Eierkochen. Die dabei zerplatzten Eier wurden noch am gleichen Tag als Eiersalat verzerht, wo bei der Sonnen-Wirt den Wein dazu spendete. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die Gasflammen unter den Pfannen immer hochgehalten wurden, damit genügend Eier für den Eiersalat aufsprangen.


Die Eier sind für den Wettkampf bereit

Drei lange Reihen mit 110 Eiernestchen im Abstand von 60 cm zieren die Burggartenstrasse, auf der einen Seite durch eine, auf der anderen durch zwei mit Spreu gepolsterten Wannen begrenzt. Jedes zehnte Ei ist hart und gefärbt. Der Wettkampf wird von drei Mannschaften mit je zwei Läufer und einem Fänger, sog. Wannenmann, bestritten. Während nun der eine Spieler eine bestimmte Rundstrecke möglichst schnell zurücklegt, beginnt der andere ein Ei nach dem andren aufzulesen und aus einer Distanz von mindestens 5, höchstens aber 10 Meter in die Wanne zu werfen. Der Wannenmann macht aktiv mit und versucht unglücklich geworfene Eier mit der Wanne zu fangen. Sobald der Läufer zurückkommt, löst er den Leser ab, und dieser begibt sich auf die Rundstrecke. Für jedes Ei, dass zerbricht, wird eine Neues unverzüglich ins betreffende Nestchen nachgelegt. Sieger ist die Mannschaft, welche zuerst aller Eier aufgelesen hat, nachdem beide die Rundstrecken zurückgelegt haben. Das letzte Ei wird jedoch nicht in der Wanne deponiert sondern auf ein Dach der umliegenden Häuser geschleudert. Früher war das Fenster der Frl. Dietschy, welche im alten Konsum wohnte, regelmässig Ziel der fliegenden Eier, da sie den abendlichen Treffs der Dorfjugend auf dem sog. Waggisplatz nicht gut gesinnt war. Anschliessend an den Wettkampf der Aktiven startet die Jugend- und Mädchenriege Stafetten in deren Mittelpunkt natürlich wiederum das Ei steht.


Dieter Schnider macht viel Staub um ein Ei

Dominique Dürring ist sehr konzentriert

Der Eierdätsch und ein Konzert des Musikvereins Bottmingen bildet jeweils der Abschluss des Eierlesen. Spiegeleier und gekochte Eier werden der Bevölkerung à discretion in der Aula serviert. So mancher Jüngling verspeist so neun bis zehn 'Stiereauge'. Den Rekord mit 12 Spiegeleiern und einem Gänseei (entspricht etwa 3 Spiegeleiern) bleibt wohl noch lange bestehen. Als der Eierdätsch noch im Gasthof zur 'Sonne' durchgeführt wurde, hatte man eine Tanzkapelle verpflichtet, die dem geselligen Teil noch einen speziellen Rahmen gab.

Als Dank für die Mithilfe beim Eierlesen erhalten die Vereine als Naturalgabe - natürlich - Eier. Diese Eier werden dann im jeweiligen Stammlokal, im Anschluss an eine Turnstunde, resp. Uebung, verspeisen.